Okt. 02, 2026
Ist mein Haus für eine Kerndämmung geeignet?
Wie kann ich herausfinden, ob mein Haus für eine Kerndämmung geeignet ist? Gibt es Möglichkeiten, das selbst herauszufinden, oder muss ein Experte herangeholt werden? In diesem Artikel gehen wir alles Schritt für Schritt mit dir durch und finden gemeinsam heraus, ob du ein zweischaliges Mauerwerk hast, das die Voraussetzungen für eine sinnvolle Kerndämmung erfüllt.
Bevor du dich ernsthaft damit auseinandersetzt, ob dein Haus für eine Kerndämmung geeignet ist, klären wir zu Beginn einmal kurz die Frage, was das überhaupt ist und welche Vorteile dadurch entstehen können.
Sehr vereinfacht gesagt wird bei einer Kerndämmung der Hohlraum in einem zweischaligen Mauerwerk der Außenwand eines Hauses mit Dämmmaterial gefüllt. Dadurch wird in erster Linie der Wärmeverlust im Winter deutlich reduziert, was nicht nur zu einer langfristigen Kostenersparnis durch geringere Heizkosten, sondern auch zu einem angenehmeren Raumklima führt. Und was für die kalte Jahreszeit gilt, gilt natürlich auch umgekehrt im Sommer, denn eine Maßnahme, die das Eindringen von Kälte erschwert, tut dies logischerweise auch mit Hitze, sodass die Innenräume bei hohen Außentemperaturen länger kühl bleiben.
Doch ob eine Kerndämmung in deinem Haus durchführbar und darüber hinaus auch sinnvoll ist, hängt von mehreren unterschiedlichen Faktoren ab, die wir hier genauer beleuchten wollen. Einige davon sind für einen Laien nicht mit absoluter Zuverlässigkeit überprüfbar, doch in vielen Fällen können diese Informationen bei ersten Überlegungen und Planungen durchaus hilfreich sein.
Wenn du also wirklich ernsthaft an der Möglichkeit, deine Immobilie durch eine Kerndämmung aufzuwerten, interessiert bist und außerdem mit vergleichsweise geringem Aufwand deinen Energieverbrauch senken möchtest, dann ist dieser Leitfaden bestimmt hilfreich oder du machst ganz einfach unverbindlich einen Selbstcheck, der dir verraten wird, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass dein Haus für eine Kerndämmung geeignet ist.
Das Alter deines Hauses
Das Alter bzw. die Zeit, in der dein Haus errichtet wurde, kann Aufschluss darüber geben, wie die Außenwände aufgebaut sind. Während sehr alte Häuser oftmals nur über einschalige Außenwände verfügen, die sich für eine Kerndämmung nicht eignen, stehen die Chancen bei Häusern, die zwischen den 50-er und 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden, sehr gut, da die Wände in dieser Zeit häufig zweischalig konstruiert wurden, was die wichtigste Voraussetzung für eine wirkungsvolle Kerndämmung ist.
Hingegen sind jüngere Gebäude in den meisten Fällen bereits so gut gedämmt, dass zusätzliche Maßnahmen weder notwendig noch sinnvoll wären.
Aber Achtung: Verlass dich nicht ausschließlich auf das Baujahr als Hinweis darauf, ob eine Kerndämmung möglich ist, denn es besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass gerade dein Haus zwar in dem Zeitraum errichtet wurde, in dem hauptsächlich zweischalige Mauerkonstruktionen üblich waren, aber aus diversen Gründen trotzdem andere Bautechniken angewandt wurden. Außerdem gibt es noch weitere wichtige Fragen, die in diesem Zusammenhang geklärt werden müssen.
Zweischalige Mauerwerke sind vor allem in Norddeutschland weit verbreitet. Besonders in den Städten und Regionen mit typischer Klinker- und Verblendbauart. Etwa rund um Bremen, Kiel, Lübeck, Hamburg, Wilhelmshaven oder Cuxhaven finden sich noch enorm viele Häuser mit zweischaligem Mauerwerk, die für eine Kerndämmung geeignet sind.
Der Aufbau der vorhandenen Wand
Ein ganz entscheidender Punkt ist der Aufbau der Außenwände deines Hauses. Bestehen diese beispielsweise aus einer massiven, aber einschaligen Stein- oder Ziegelsubstanz, gibt es keinen Hohlraum, der mit Dämmstoffen gefüllt werden kann. In diesem Fall ist eine Kerndämmung nicht durchführbar. Ist der Aufbau allerdings zweischalig, das heißt es gibt eine innere und eine äußere Wandschale mit einem dazwischen liegenden Hohlraum, können Dämmungsmaßnahmen oft problemlos durchgeführt werden. Allerdings musst du wissen, dass es auch hier Hohlräume gibt, die sich nicht oder zumindest nicht optimal für eine sinnhafte Kerndämmung eignen.
Ob ein Hohlraum vorhanden ist und von welcher Dimension du hier ausgehen kannst, lässt sich oft anhand der Baupläne feststellen, falls diese vorhanden und aussagekräftig sind.

Wie dick sind die Außenwände?
Ein Hohlraum ist für die Durchführung einer Kerndämmung also unbedingt notwendig. Doch wenn du dein Haus nicht selbst gebaut hast, ist es wahrscheinlich gar nicht so leicht herauszufinden, ob überhaupt einer vorhanden ist. Sind keine eindeutigen Baupläne verfügbar, die Aufschluss über den Aufbau der Außenwände geben, kann die Wanddicke zumindest einen ersten groben Hinweis liefern, vor allem, wenn das Baujahr in diesem Zusammenhang ebenfalls berücksichtigt wird, da wir ja bereits festgehalten haben, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtete Häuser häufig über ein zweischaliges Mauerwerk verfügen. Bei Wänden mit einer Dicke von bis zu 27 cm kannst du eher nicht damit rechnen, dass hier ein befüllbarer Hohlraum vorhanden ist, während wir bei einer Dicke von etwa 38-42 cm zumindest von einer hohen Wahrscheinlichkeit ausgehen können, dass zwei Wandschalen existieren.

Die Breite des Hohlraums prüfen für fortgeschrittene
Bevor du einen professionellen Betrieb beauftragst, kannst du mit etwas handwerklichem Geschick anhand einer relativ einfachen Methode selbst herausfinden, ob und in welcher Dimension ein Hohlraum vorhanden ist. Hierfür verwendest du einen handelsüblichen, für das Material des Mauerwerks geeigneten Bohrer mit einer Länge von etwa 20 cm und einer Dicke von 0,5 cm und bohrst von außen ein Loch in die Wand. Wenn nach ca. 12-13 cm kein Widerstand mehr zu spüren ist, hast du einen Hohlraum gefunden. Um in weiterer Folge herauszufinden, wie breit dieser Hohlraum ist, nimmst du am besten einen stabilen Draht zu Hilfe, schiebst ihn so weit durch die gebohrte Öffnung, bis er auf Widerstand stößt und markierst den Draht dort, wo er im Bohrloch verschwindet. Nachdem du den Draht wieder herausgezogen hast, biegst du das Ende so, dass ein Haken entsteht, und schiebst den Draht wieder in das Loch. Wenn du ihn jetzt langsam zurückziehst, bleibt der Haken am Beginn der Außenwand hängen und du kannst erneut markieren. Der Abstand zwischen den beiden Markierungen auf deinem Draht zeigt dir jetzt exakt die Breite des Hohlraums an.
Wenn du allerdings bei der ersten Bohrung auch nach etwa 20 cm noch immer Widerstand spürst, musst du davon ausgehen, dass es sich bei dieser Mauer um keine zweischalige Konstruktion handelt.

Warum nicht jeder Hohlraum für eine Kerndämmung geeignet ist
Leider bedeutet die Existenz eines Hohlraums im Mauerwerk nicht automatisch, dass hier auch eine Kerndämmung durchgeführt werden kann. Bis zu einer Breite von etwa 3 cm ist die Maßnahme unter Umständen gar nicht vernünftig, weil nicht genug Dämmstoffe eingebracht werden können, um auch tatsächlich einen wirtschaftlichen Nutzen zu erreichen.
Alles was darüber hinaus geht, ist sowohl technisch gut machbar als auch finanziell sinnvoll, wobei zu beachten ist, dass mit der Größe des für die Dämmung nutzbaren Bereichs auch die Menge an Dämmmaterial zunimmt, was in weiterer Folge zu besseren Dämmeigenschaften führt.
Lüftungsöffnungen in der Fassade
Bevor du tatsächlich zum Werkzeug greifst, gibt es allerdings noch andere, ganz einfach mit bloßem Auge erkennbare Hinweise auf ein zweischaliges Mauerwerk. Einer davon ist das Vorhandensein von Lüftungsöffnungen an der Fassade. Sind zwei Mauerschalen vorhanden wurden durch diese Öffnungen die Belüftung des Hohlraums ermöglicht, um zu verhindern, dass sich Feuchtigkeit sammelt und das Mauerwerk langfristig schädigt.
Sie sehen im Prinzip aus wie kleine offene Fugen oder Löcher und sind für dich auch dann zu erkennen, wenn du kein Bauprofi bist. Üblicherweise befinden sich diese Lüftungsöffnungen im unteren Bereich der Außenwand, oberhalb von Fenstern und Türen, unterhalb von Fensterbänken und unter dem Dachüberstand.
Das Material der Fassade
Auch das Fassadenmaterial kann ein Anhaltspunkt für die Art des Wandaufbaus sein. Vor allem, wenn es sich um eine Klinker- oder Verblendsteinfassade handelt, kannst du mit relativer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sich dahinter ein zweischaliges Mauerwerk mit Hohlraum befindet. Weniger eindeutig sieht die Sache bei Putz- und Natursteinfassaden oder auch bei Betonfassaden aus. Hier kann die Wand sowohl ein- als auch zweischalig, mit oder ohne Hohlraum sein.

Ein erstes Ergebnis
Die Berücksichtigung all dieser Punkte hilft dir dabei, zumindest einmal besser einschätzen zu können, ob dein Haus für eine Kerndämmung in Frage kommt. Wurde dein Haus also etwa um 1960 mit einer Mauerdicke von 41cm und einer Klinkerfassade gebaut, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass ein zweischaliges Mauerwerk mit Hohlraum vorhanden ist, und deshalb eine Kerndämmung nicht nur möglich, sondern vermutlich auch sehr sinnvoll ist. Ein Haus, das in den 30- er Jahren mit einer Mauerdicke von 27cm gebaut wurde und auch keinerlei Hinweise auf Lüftungsöffnungen bietet, wird hingegen eher ungeeignet sein.
Falls du dir trotzdem unsicher bist, gibt es die Möglichkeit, für eine unverbindliche Einordnung der gesammelten Hinweise einen kostenlosen Tool für einen kurzen und unverbindlichen Online-Check zu nutzen. Hier werden deine eingegebenen Daten übersichtlich zusammengefasst und zumindest die Frage beantwortet, ob die Möglichkeit für eine Kerndämmung wahrscheinlich oder doch eher unwahrscheinlich ist.
Weiteres Vorgehen
Bist du letztendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass dein Haus für eine Kerndämmung geeignet ist und sich diese auch lohnen würde, ist es sinnvoll, weitere Untersuchungen der Wand vornehmen zu lassen. Denn selbst wenn ein Hohlraum vorhanden ist und eine optimale, für die Kerndämmung geeignete Breite aufweist, müssen noch weitere Faktoren abgeklärt werden. Dazu zählt beispielsweise die Untersuchung des Hohlraums auf unter Umständen vorhandene Hindernisse wie Mörtelreste oder Teile einer bereits früher durchgeführten Dämmung.
Auch die Trockenheit der Wand spielt bei der Beurteilung eine wichtige Rolle, denn Feuchtigkeitsprobleme in der Außenwand können bei der Dämmung später zu nicht unerheblichen Schwierigkeiten führen. In diesem Fall müsste zunächst das Feuchtigkeitsproblem gelöst werden.
All das kann ein Profi relativ leicht und mit wenig Aufwand feststellen. Bei einer Probebohrung entsteht eine kleine Öffnung, durch die eine Kamera den vorhandenen Hohlraum auf Beschaffenheit, Dimension und etwaige Hindernisse zuverlässig überprüfen kann.
Wenig Aufwand- große Wirkung
Wenn schließlich alles dafür spricht, dass dein Haus für eine Kerndämmung geeignet ist, und du dich dazu entschließt, einen professionellen Handwerksbetrieb mit der Voruntersuchung und anschließend auch mit der Durchführung der Kerndämmung an deinem Haus zu beauftragen, kannst du im Normalfall davon ausgehen, dass die Arbeiten rasch, meistens sogar innerhalb eines Tages, erledigt werden. Zwar musst du mit einem gewissen Lärmaufwand rechnen, aber da die Tätigkeiten von außen durchgeführt werden, gibt es im Innenraum kaum Probleme mit Schutt, Staub oder sonstigen Verunreinigungen. Sobald die Kerndämmung abgeschlossen ist, wirst du einen spürbaren Unterschied- sowohl was das Raumklima, als auch deine Heizkosten betrifft- bemerken.




